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Warum ist es eigentlich so schwer, sein Verhalten zu ändern?

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Outdoortraining Newsletter 1 2008Weil wir süchtig nach Gewohnheiten und den daraus resultierenden Gefühlen sind! Dabei ist es egal, ob sie vom Verstand aus als gut oder schlecht bewertet werden.

Jeder Raucher kennt das Verlangen nach der Zigarette. Jeder „Genussmensch“ kennt das Verlangen nach leckeren Speisen, nach Kaffee, Alkohol oder Süßigkeiten. Der Workoholic kann das Arbeiten nicht lassen und der Extremsportler braucht seinen Kick.

Wenn Gefühle im Spiel sind, „feuern“ die Neurone im Gehirn und eine Flut von Botenstoffen (Neurotransmittern) ergießt sich hier aus einer der wichtigsten Steuerzentralen, dem Hypothalamus, ins Blut und in unseren Körper. Ein chemischer Cocktail, dem jeweils ein genau definiertes Gefühl zugeordnet werden kann – von Freude, Liebe und Gelassenheit, über Angst oder Unsicherheit bis zur Aggression.

Persönlichkeitstraining Newsletter 1 2008 Die ständige und übermäßige Ausschüttung solcher chemischer Botenstoffe, ausgelöst durch anhaltenden Ärger, Stress, Leid, Druck, Sorge, Angst, etc., aber bewirkt einen Rückgang und eine Abstumpfung der entsprechenden Signalempfänger (Rezeptorzellen) im Gehirn.

Für die gleiche Wirkung (zum Beispiel ein befriedigendes Gefühl) benötigen wir immer mehr Botenstoffe bzw. immer mehr von den Reizen, die diese auslösen – wir werden „süchtig“. Bei Süchtigen bilden sich die Gehirnzellen und die Rezeptoren zurück. Drogen (Alkohol, Ecstasy, Zigaretten, LSD usw.) wirken über die gleichen Rezeptoren, wie unsere körpereigenen Botenstoffe. Daher sind die emotionalen Süchte und die stoffabhängige Drogensucht miteinander verwoben und in einzelnen Punkten auch miteinander vergleichbar.

So entwickeln sich bei jeder Sucht Verhaltens- und Denkmustern, die nur auf eins ausgerichtet sind: dieSucht zu befriedidigen. Der Extremsportler plant immer größere Herausforderungen, braucht immer mehr Adrenalin, um ein gutes Gefühl zu bekommen.

Die Sexsüchtigen bevorzugen wechselnde Partner oder immer ausgefallenere Praktiken. Der Gedemütigte, der im Mitleid Befriedigung findet, wird immer mehr Demütigung erfahren, um sein Schicksal zu bestätigen und ambitionierte Politiker und Führungskräfte streben nach immer höheren Ämtern, um immer mehr Macht zu erlangen.

Emotionale Süchte sind der Grund dafür, warum wir uns immer wieder bestimmte Realitäten und Situationen im Leben erschaffen: warum wir immer wieder die gleichen Beziehungen durchleben, uns immer wieder mit Menschen umgeben, die uns vielleicht gar nicht gut tun, warum manche, trotz vieler guter Möglichkeiten, immer wieder chronischen Geldmangel erleiden oder im Job gemobbt werden. Anderen passieren immer wieder kleinere oder größere Unfälle oder sie werden immer wieder krank.

Emotionaler Teufelskreis

Hochseilgarten EventDas Opfer. Etwas Schlimmes ist passiert. Der Betroffene bekommt Zuwendung und Beachtung. Es ist plötzlich immer jemand da, wenn es sein muss, sogar rund um die Uhr. Er bekommt vielseitige Unterstützung. Diese Beachtung und Zuwendung erzeugt ein Wohlgefühl.

Der Retter.Er kann sich um jemanden kümmern. Er fühlt sich plötzlich gebraucht und ist unentbehrlich und wichtig. Er bekommt Verantwortung und Anerkennung vom Opfer. Ein Wohlgefühl entsteht.

Wird dieser Zustand über längere Zeit aufrechterhalten, entsteht ein Abhängigkeitsverhältnis auf der Gefühlsebene. Beide werden vermutlich unbewusst eine Realität erschaffen, die diesen Teufelskreis aufrecht erhält.

Auch der Antrieb von Personen, die plötzlich auf Streit oder Ärger aus sind, die morgens einen Kaffee bauchen, um „hochzukommen“ oder derjenigen, die nicht an einer leckeren Kuchentafel vorübergehen können, ist das innere Verlangen nach Befriedigung, nach Wohlgefühlen unterschiedlichster Art und Ausprägung.

Oft sind es zunächst so genannte „Übersprungshandlungen“, Verhaltensweisen, die unter Stress, als eine Art Ventil entstehen. Durch die wiederholte Erfahrung des Wohlgefühls aber entsteht eine Sucht. Dann sind sie ohne bestimmten Grund wütend, brauchen einen Kaffee, weil es immer in dieser Situation einen Kaffee gibt oder sie essen Kuchen, weil dann Glückshormone (Endorphine) den Körper durchströmen und nicht, weil sie Hunger haben.

Sollte es sich dabei um eine Emotion handeln, die gesellschaftlich wenig Anerkennung findet, wird natürlich kaum jemand in seinem Kopf dabei einen Satz hören, wie: „Lass uns losziehen und jemanden lächerlich machen, um mich intellektuell überlegen zu fühlen“. Es wird sich als ein unklares und unbewusstes Verlangen äußern, das ihn dafür sorgen lässt, dass ein entsprechendes Szenario eintritt, wo genau die passende Situation erschaffen wird.

Ein anderes Beispiel: Ich setze einen großen Traum nicht zielstrebig um, weil ich Angst vor dem Versagen habe. Die Angst ist so groß, dass ich eine große Entlastung (Wohlgefühl) erfahre, sobald ich mich nicht mehr mit der Herausforderung konfrontiere.

Also sorge ich dafür, dass ich entsprechend kleine Versager im Vorfeld arrangiere, um den großen Schritt nicht tun zu müssen. Ich bestätige mich selbst, dass ich dafür nicht berufen bin und „backe lieber kleine Brötchen“. Das verschafft mir kurzfristig wieder Erleichterung, auf lange Sicht aber Unzufriedenheit. Wird das zum Verhaltensmuster, könnten Mitleid und Zuwendung von außen zur Ersatzbefriedigung werden.

Ein erster Ausweg aus Wiederholungsmustern ist die Erkenntnis, dass ich wohl süchtig nach diesem Gefühl sein muss und ich es mir deshalb immer wieder neu erschaffe!

Das Experiment mit den Ratten

Ratten wurden Elektronen ins Gehirn gepflanzt, die durch Stimulation bestimmte Botenstoffe (Neurotransmitter) freisetzen konnten. Die Tiere lernten, bestimmte Hebel zu bedienen, um die Stimulation auszulösen. Mit jedem Hebeldruck wurden Reize ausgelöst, die den Ratten entsprechende Gefühle bereiteten. Für die Tiere war es schließlich wichtiger, diese Botenstoffe zu erhalten, als zu fressen, zu trinken, sich fortzupflanzen oder zu schlafen.

Die Tiere verkümmerten, hörten aber nicht mit dem „Hebeldrücken" auf. Ähnlich wirken Stress, Angst, Druck, Sorgen, Frustration, Sicherheitsdenken und vieles mehr in unserem Körper!

Wir werden auf Dauer süchtig nach den Gefühlen, die uns ängstigen oder stressen, sodass wir nicht mehr aufhören können, sie zu verlangen. Wir erschaffen uns unbewusst wiederkehrende Situationen, um genau das zu erleben. Die Verhaltens- und Denkmuster festigen sich. Alles dreht sich nur noch darum, dass die Gefühle befriedigt werden.

Wir können also auch nach negativen Gefühlen süchtig werden!


Autoren: © Dipl. Psych. Dirk Schwarzer und Dr. rer. nat. Susanne Schwarzer

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